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Ratten

 

 

1. Vorwort

Früher, so wie heute betrachten viele Menschen die Ratten als eklige Tiere. Im Mittelalter gab es auch Personen, die sich auf den Rattenfang spezialisierten. In der späteren Zeit brauchte man Wanderratten als Versuchstiere für die Forschung zur Krebsbekämpfung. Heutzutage halten sich Privatpersonen solche Ratten als Haustiere, weil sie klug, anhänglich, süss und frech sind. Da man Laborratten mit anderen kreuzte, ist es sehr selten, dass die Tiere sechs Jahre alt werden. In der Regel leben sie zwei bis drei Jahre und sterben meistens an Krebs oder Herzversagen. Rattenbesitzer müssen sich dessen bewusst sein.

1.1. Woher die Ratte kommt:

Es gibt zwei Arten von Ratten. Die Wanderratte, Rattus norvegicus, und die Hausratte, Rattus rattus. Die zahmen Ratten werden Farbratten genannt. Die Farbratten stammen von der Wanderratte ab. Die Wanderratte stammt aus Steppengebieten Asiens. Sie kam auf Schiffen als blinder Passagier nach Europa und Amerika. Ihr Fell ist in der Natur graubraun und sie hat kleinere Augen und Ohren und einen kürzeren Schwanz als die Hausratte. Die Hausratte stammt aus den Wäldern Südostasiens. Dort hausten sie als Baumbewohner. In den Siedlungen lebte sie im Dachgebälk der Hütten.

 

2. Das Verhalten:

Ratten sind sehr soziale Tiere. Die Wanderratte ist vorwiegend nachtaktiv und bildet Rudel. Die Hausratte ist ebenso wie die Wanderratte nachtaktiv, lebt gesellig in Sippen und ist ein guter Kletterer, der auch gewandte Sprünge macht. Feinden gegenüber verhalten sie sich bissig und ergreifen nicht immer die Flucht.

In Gefangenschaft kann man beobachten, dass sie gerne zusammen schlafen, wobei sie nicht nur nebeneinander sondern auch übereinander liegen. Ab und zu machen sie eine gegenseitige Fellpflege.

2.1. Sexualverhalten:

                                                     

Genitalregion des Männchens               Genitalregion des Weibchens

Die Farbratten werden fast zur gleichen Zeit geschlechtsreif wie die Wanderratte. Die Farbratte wird nach ca. sechs bis sieben Wochen geschlechtsreif, ist dann aber noch nicht reif genug, ihre Jungen aufzuziehen. Die Wanderratte wird schon nach fünf bis neun Wochen geschlechtsreif, während die Hausratte erst nach drei Monaten soweit ist. Die Ratte kann normalerweise ab dem vierten Monat erstmals gedeckt werden. Bei den weiblichen Farbratten dauert der Zyklus nur vier bis fünf Tage. Bei der Wanderratte kann es sogar bis zu sieben Tage dauern. Jedoch dauert es meist gleich lange wie bei der Farbratte. Der Ovulationsbeginn der Wanderratte trifft nach dem 33.-45. Lebenstag ein.

Drei bis acht Stunden nach der Begattung die durch 15-70 Sprünge gekennzeichnet werden, bildet sich beim Weibchen ein Scheidenpfropf, der weitere Begattungen verhindert. Tiere im Alter von 100-300 Tagen sind besonders fruchtbar.

2.2. Geburt:

Der erste Wurf ist bei jungen Weibchen meist der kleinste. 15-24 Stunden nach dem Werfen ovulieren die Weibchen. Die Geburt selbst kann nach 15-30 Minuten beendet sein, in seltenen Fällen kann sie auch Stunden dauern. Das Geburtsgewicht der Männchen ist etwa 0,3 g höher als das der Weibchen. Überhaupt geht der Wachstumsverlauf bei männlichen Tieren rascher voran als bei Weibchen. Vom 14. Lebenstag an ist die Wachstumsbeschleunigung besonders auffallend. Die Farbratten haben eine Tragezeit von 24 Tagen. Bei der Hausratte verläuft es ähnlich. Die Wanderratte trägt ihre Jungen normalerweise 21 Tage im Bauch. Wenn aber das Weibchen gleichzeitig einen grossen Wurf säugt, kann sich die Tragzeit bis zu 34 Tagen verlängern. Bei der wilden Wanderratte gibt es im Durchschnitt neun bis zwölf Junge, bei der Hausratte sind es meistens acht. In seltenen Fällen können es auch 20 werden. Die Anzahl der Würfe pro Jahr bei den Hausratten beträgt drei bis sechs. Bei den Wanderratten sechs bis neun. So werden pro Weibchen ca. 100 - 120 Junge aufgezogen.

2.3 Jungtiere:

Die Jungtiere kommen hilflos, nackt und blind zur Welt. Bei der Aufzucht der Jungtiere helfen auch andere Weibchen mit. Die Farbrattenbabys öffnen die Augen nach zwei Wochen, die Wanderratten nach zehn bis 17 Tagen. Am 13.-16. Tage öffnen sich auch die Augen der Hausratten. Die Säugedauer beträgt bei der Rattus rattus 21 Tage, bei der Rattus norvegicus sieben Tage länger. Während der ersten Tage saugen die Jungen in Rückenlage, später in Bauchlage.

                                                          

Nach zwölf bis 14 Tagen können die Babys der Wanderratte bereits feste Nahrung zu sich nehmen. Die Jungen der Farbratten können mit vier bis fünf Wochen die Mutter verlassen. Bei der Wanderratte dürfen die Kleinen nach drei Wochen weg, bei grossen Würfen im Alter von vier Wochen. Erst nach sechs Wochen sind die Jungen bei den Hausratten selbstständig. Ab sechs Monaten sind die Ratten ausgewachsen. Rattenweibchen werden nach 15-18 Monaten unfruchtbar.

2.4 Rangkämpfe:

Vor den Kämpfen umkreist die Ratte ihren Gegner und macht einen leichten Buckel, wobei sie das Fell sträubt. Drohgesten sind zum Beispiel Zähnewetzen und Fiepen in höchsten Tönen. Manchmal werfen sie sich auf den Rücken. Allerdings kommt es selten zu Beissereien.

Ich beobachtete bei meinen vier Weibchen, dass die Rudelführerin die Schwächere bestieg und mit einem Hinterbein an ihr ein wenig kratzte, um zu zeigen, dass sie ihr überlegen war. Die Verliererin drehte sich dann auf den Rücken und leckte und knabberte am Bauch der Stärkeren. Jedoch beim Fressen ist die Zweitstärkste doch so frech, dass sie versucht dem Anführer den Keks zu stehlen, welchen sie dann an einem sicheren Ort in Ruhe fressen kann.

2.5 Lebenserwartung:

Wanderratten leben meist sieben Jahre wobei die Farbratten durchschnittlich zwei bis drei Jahre alt werden. Sie können jedoch auch über sechs Jahre lang leben. Die Hausratte wird meist fünf Jahre alt.

 

3. Krankheiten und ihre Merkmale:

3.1 Gesundheitsmerkmale:

Gesunde Ratten haben immer klare Augen, die keinen Ausfluss haben und nicht verklebt oder entzündet sind. Ein glänzendes Fell, welches glatt und gut am Körper anliegt ohne zu verkrusten und zu verkleben, ist ein Zeichen der Gesundheit. Auch eine saubere Nase und Aktivität ist ein Zeichen ihrer Gesundheit. Ratten putzen sich sorgfältig, denn sie sind reinliche Tiere. Nur wenn ein Tier krank ist, vernachlässigt es die Körperpflege. Ein untrügliches Zeichen dafür ist zum Beispiel ein Kot verschmierter After. Kranke Ratten sind desinteressiert und verhalten sich apathisch.

3.2 Vitaminmangel:

Bei Mangel an Vitamin A verliert die Ratte ihren Appetit. Sie hat Wachstumsstillstand und Gewichtsverlust. Vitamin – E - Mangel führt zu Muskelschwund und Wachstumsverzögerung.

3.3 Erbkrankheiten:

Typische Rattenanomalien sind: Nagezahnlosigkeit, Gelbsucht, Krummnasigkeit oder Nagezahnwucherungen.

3.4 Tumore:

Tumore treten bei wildlebenden  Ratten sehr selten auf. Nur 0,5 % leiden an einer Geschwulstkrankheit, dann vor allem an Leber- und Magenkrebs.

 

4. Das Halten von Ratten:

4.1 Der Kauf:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Ratte zu erwerben. Heute werden Ratten in Zoohandlungen angeboten. Jedoch kann man auch eine Ratte aus dem Tierheim oder Tierschutz zu sich nehmen.

Grundsätzlich sollte man nie eine Ratte allein halten, denn sie braucht sehr viel Aufmerksamkeit, weil sie sonst vereinsamen oder verhaltensgestört werden können. Doch auch bei mehreren Tieren kann eines besonders anhänglich werden. Zahme Ratten, die Vertrauen zu ihrem Besitzer gefasst haben, begleiten ihn gerne auf der Schulter oder in einer Bauchtasche. Ratten sind von Natur aus sehr neugierig. Wenn sie ein Objekt interessiert, müssen sie dieses ganz genau inspizieren. Wenn zahme Ratten regelmässig aus ihrem Käfig genommen werden, muss dieser nicht zu gross sein. Wenn man sich geduldig mit seinen Tieren beschäftigt, können sie dank ihrer Intelligenz viel lernen. Manche Ratten lernen sogar auf ihren Namen zu hören.

4.2 Behausung:

Die Grundfläche des Käfigs sollte nicht weniger als 40x60 cm messen, grösser wäre besser. Gut geeignet dafür sind grosse Vogelkäfige, in denen man viele Etagen einbauen kann, da Ratten gerne klettern. Bei Glaskäfigen muss man bedenken, dass die Ratte ordentlich klettern kann. Bei den Gitterkäfigen wird das Holz durch die Gitterstäbe ersetzt, jedoch sollte man trotzdem etwas Holz zum Knabbern hineinlegen.

                                                                         

Als Einstreu eignen sich Holzspäne. Tannenholz als Einstreu ist nicht geeignet. Das Aroma dieser Holzart kann sich negativ auf die Gesundheit der Ratte auswirken. Darum empfiehlt sich Stroh, Heu, Mais oder Papier als Einstreu. Damit den Ratten nicht langweilig wird, ist es wichtig, immer wieder etwas Neues in den Käfig zu stellen, bei dem es nichts ausmacht, wenn es angeknabbert wird.

4.3 Ernährung:

Ratten benötigen eine ausgewogene Ernährung. Sie bevorzugen Körner, Nüsse, Obst, Salat und Gemüse. Kalorien-, fett- und zuckerhaltige Speisen eignen sich auf keinen Fall für diese Tiere. Die durchschnittliche Futterration für mittelgrosse Ratten liegt bei ca. 25 g.

                                                                                  

Ratten benötigen relativ viel Wasser, welches man am besten in Trinkflaschen am Käfig anbringt, um Verschmutzung zu vermeiden.

4.4 Pflege:

Da die Zähne der Ratten immer wachsen, wäre es nützlich, wenn man ab und zu ein hartes dunkles Brot, Hunde- und Katzenkekse oder hartes Nagematerial wie Holzstecken zur Verfügung stellt.

Den Käfig sollte man ein- bis zweimal in der Woche reinigen. Wenn mehrere Ratten in einem Käfig gehalten werden, mehr.